Ambulante Psychotherapie

Wenn es dir anhaltend schlecht geht und du alleine keinen Ausweg findest, solltest du dir professionelle Hilfe suchen. Dazu kannst du dich an Psychotherapeuten und Psychiater wenden. Beide haben eine umfassende Ausbildung, die sie befähigt, sich gut um Menschen mit psychischen Krankheiten und in schwierigen Lebenssituationen zu kümmern.

Welche Möglichkeiten gibt es?

Psychotherapeuten sind Psychologen oder Ärzte mit Spezialisierung und Anerkennung als Psychotherapeuten, die mit dir über deine Probleme sprechen. Sie versuchen herauszufinden, warum es dir nicht gut geht und erarbeiten gemeinsam mit dir Wege, dies zu verbessern. Manchmal probieren sie auch im Alltag gemeinsam mit dir Dinge aus, zum Beispiel sich den eigenen Ängsten zu stellen. Psychiater sind Ärzte, die dir im Notfall Medikamente verschreiben können. Im Falle von schweren psychischen Leiden ist der Psychiater daher sehr wichtig, da Medikamente dann oft ein wichtiger Schritt zur Besserung sind.

Wie komme ich dahin?

Du kannst ohne Überweisung vom Hausarzt dorthin gehen, solltest dir vorher nur einen Termin geben lassen. Adressen von Therapeuten in deiner Nähe findest du schnell auf Google oder bei der Deutschen Psychologen Akademie oder bei den Ärztekammern. Am Besten rufst du an oder schreibst eine E-Mail, in der du um einen Kennenlern-Termin bittest.

Muss ich lange auf einen Termin warten?

Je nachdem, wo du wohnst gibt es unterschiedlich lange Wartezeiten. Diese können zwischen drei und neun Monaten liegen. Es lohnt sich also, frühzeitig um einen Termin zu bitten und sich eventuell auch bei mehreren Therapeuten auf die Warteliste setzen zu lassen. Was du zur Überbrückung der Wartezeit in Krisensituationen tun kannst, kannst du in unseren Skills nachlesen. Vielleicht hilft es dir auch, dich an eine Vertrauensperson (Lehrer, Sozialarbeiter, Betriebsrat,…) oder eine Beratungsstelle zu wenden. Wenn es gar nicht mehr anders geht, kannst du jederzeit als Notfall auf eine Station aufgenommen werden.

Was passiert dann?

Bist du beim Psychotherapeuten, dienen die ersten Termine dem gegenseitigen Kennenlernen, spätestens nach fünf Terminen entscheidet ihr gemeinsam, ob es weitergehen soll oder nicht. Bis dahin ist alles ganz unverbindlich und auch danach kannst du die Therapie jederzeit beenden, wenn du willst. Solltest du dich für die Therapie entscheiden, hast du in den meisten Fällen etwa einmal wöchentlich einen Termin. Solltest du dich dagegen entscheiden, kannst du mit deinem Psychotherapeuten besprechen, welche anderen Möglichkeiten es für dich gibt.

Muss ich anderen davon erzählen?

Zunächst ist der Besuch bei einem Psychotherapeuten oder Psychiater nichts, wofür man sich schämen muss. Vielmehr ist es ein Zeichen, dass du erkannt hast, dass du Hilfe benötigst und mutig genug bist, dir diese auch zu suchen. Sollte es dir trotzdem unangenehm sein, musst du mit niemandem darüber sprechen. Egal was passiert, jederzeit haben Psychotherapeut und Psychiater Schweigepflicht. Sie dürfen also nicht mit deinen Eltern, der Schule oder deinem Arbeitgeber sprechen – weder darüber, dass du bei ihnen bist, noch worüber ihr sprecht.




Stationärer Aufenthalt

Wenn es dir so schlecht geht, dass eine Therapie einmal wöchentlich nicht mehr ausreicht oder du akute Suizidgedanken hast, ist ein stationärer Aufenthalt eine gute Entscheidung. Dort wirst du rund um die Uhr von Fachpersonal betreut und erhältst umfassende Hilfe.

Welche Möglichkeiten gibt es?

Man kann zwischen teil- und voll stationären Kliniken unterscheiden. In der Tagesklinik (teilstationär) bist du fünf Tage pro Woche tagsüber - dementsprechend musst du so stabil sein, dass du die Abende und die Wochenenden zu Hause verbringen kannst. Dort kannst du dann gleich die Umsetzung von Therapieinhalten in den normalen Alltag üben. In der Psychosomatischen Klinik oder Psychiatrie (voll stationär) bist du mehrere Tage oder Wochen für 24 Stunden, hast also rund um die Uhr einen Ansprechpartner zur Verfügung.

Wie komme ich dahin?

Du benötigst zunächst eine Überweisung von deinem Hausarzt. Damit kannst du dich im Rahmen eines Erstgespräches in der Klinik vorstellen. Ihr besprecht dort, wie es weitergehen soll und du kommst auf die Warteliste. Sobald ein Platz frei wird, bekommst du einen Termin für deine Aufnahme.

Muss ich lange auf einen Termin warten?

Auch hier sind die Wartezeiten je nach Wohnort unterschiedlich lang und können bis zu mehreren Monaten andauern. Manchmal geht es einem so schlecht, dass man so lange nicht warten kann – dann kannst du als Notfall in der Psychiatrie aufgenommen werden. Das ist dann sofort möglich, wenn du zum Beispiel starke Suizidgedanken oder -pläne hast. In diesem Fall kannst du sogar selbst den Notarzt (Telefonnummer: 112) anrufen, er begleitet dich dann auf Station und es ist keine Überweisung vom Hausarzt nötig.

Was passiert dort?

Wenn du als Notfall auf die Station gekommen bist, kannst du entlassen werden, sobald die akute Situation überstanden ist. Bei der Entlassung kannst du gemeinsam mit deinem Therapeuten überlegen, ob eine längerfristige Therapie auf Station sinnvoll ist und deine Aufnahme planen. Nach der Aufnahme erhältst du auf Station Psychotherapie in Form von Einzelgesprächen und Gruppentherapie. Meist gibt es weitere Angebote wie Kunst-, Musik- oder Bewegungstherapie und bei Bedarf auch eine medikamentöse Behandlung. Man schaut auch gemeinsam mit dir, wie es nach der Entlassung weiter geht und hilft dir bei der Beantragung von weiterführenden Hilfsmaßnahmen.
Wichtiger Hinweis: Unser Tagebuch wird von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern gepflegt und betreut. Wir bieten keine medizinische, juristische oder psychologische Beratung. Unsere Antworten basieren auf Lebenserfahrungen und der persönlichen Einschätzung unserer Autoren und sollen den Schreibern helfen, nicht alleine mit ihren Problemen dazustehen, ihnen Mut machen und neue Wege aufzuzeigen.

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