Nora Fieling



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Angst, starke Traurigkeit, Unsicherheit, Gedanken über den Tod und selbstverletzendes Verhalten. Nora Fieling dachte lange Zeit sie wäre “anders” und “unnormal”. Sie erzählt uns von ihren Erfahrungen in der Tagesklinik und wieso sie jederzeit wieder hingehen würde.


Panikattacken und Todesfällen sind nur ein paar der Dinge, mit denen Nora zu kämpfen hatte. Verschiedene Diagnosen wie eine rezidivierende Depression, generalisierte Angststörung und Borderline Persönlichkeitsstörung waren schwer anzunehmen und zugleich befreiend. Ihr wurde bewusst, dass sie nicht die Einzige ist, der es so geht. Anschließend an einen stationären Aufenthalt 2010 wurde Nora zum ersten Mal eine Tagesklinik (TK) empfohlen. Bei einem zweiten Aufenthalt war sie zwar in ambulanter Therapie, ihre Krise allerdings so schlimm, dass es nicht ausreichte und der Aufenthalt in einer Tagesklinik zusätzlich notwendig war. Ihre erste TK hatte einen verhaltenstherapeutischen Ansatz. Nach vier Wochen wurde ihr mitgeteilt, dass sie einen anderen Ansatz bräuchte: einen Trauma-orientierten. Dort war Nora in der Vergangenheit insgesamt drei Mal.


Viele Emotionen


“Eine Tagesklinik ist schon ganz schön anstrengend.”, beschreibt die 31 Jährige. Es werden natürlich auch Themen erarbeitet, die für den Moment nicht leicht sind. “Es ist aufwühlend, man erlebt Gefühle von Wut und Trauer.” So kann es auch mal vorkommen, dass es Nora nachmittags schlechter ging als morgens vor dem Aufenthalt in der Tagesklinik. “Glücklicherweise war ich während meiner TK-Aufenthalte nie allein, sondern habe in einer WG bzw. mit meinem Partner zusammengewohnt.”, erzählt Nora. So hatte sie jederzeit einen Ansprechpartner. In der Abschlussrunde wurde oft darauf hingewiesen, welche Krankenhäuser zu der TK gehören und an wen man sich in einer Krise wenden kann. Nora musste dieses Angebot nie in Anspruch nehmen. “Zugleich ist es ‘gut’, wenn all die Gefühle, welche in den Jahren ‘runtergeschluckt’ worden sind, nun rauskommen und gelebt werden.”, erklärt sie.


Die Atmosphäre war angenehm und das Personal sehr freundlich. Bei ihrem ersten Aufenthalt kam Nora mit der Psychotherapeutin nicht zurecht, die bei ihrem zweiten Aufenthalt nicht mehr da war. “Auch wenn es natürlich sehr wichtig ist, dass man mit der Therapeutin dort klar kommt, so ist es nur menschlich, dass nicht überall die Chemie stimmt.”, erklärt sie. “Vor allem konnte ich dennoch einiges aus der TK mitnehmen, auch wenn es nicht unbedingt die ‘Ergebnisse’ aus der Einzeltherapie waren.” Nach Abschluss ihres Aufenthaltes wurden ihr Selbsthilfegruppen empfohlen. “Im Nachhinein bin ich sehr dankbar dafür.”, beschreibt Nora, die noch Heute sehr aktiv in diversen Selbsthilfegruppen ist und sich ehrenamtlich bei einem Betroffenenverein engagiert, um andere Betroffene und Angehörige zum Thema Depressionen zu beraten.


Ein guter Mittelweg


“Ich habe gelernt, dass es völlig in Ordnung ist, alle Gefühle in sich zu haben. Also, dass ich traurig, wütend oder auch neidisch sein DARF.”, erklärt Nora eine wichtige Erkenntnis , die sie in der Zeit in der TK gewinnen konnte. “Es ist der Umgang mit mir selbst. Mich selbst achten, für mich besser zu sorgen, besser mit mir umzugehen.” Mithilfe von sogenannten Skills hat sie einen Umgang mit ihrer inneren Anspannung gefunden. “In meinem 2. Aufenthalt fand ich mit Hilfe der Therapeutin raus, was eigentlich in meiner Vergangenheit schief gelaufen ist – das war wie ein Durchbruch.”, beschreibt sie. “Das sie mir als Erste Fragen zu meiner Kindheit gestellt hat, war enorm wichtig – ohne diese Frau wäre ich nicht jetzt an der Stelle, wo ich jetzt bin.”


In der Tagesklinik gab es verschiedene Therapieeinheiten, an denen Nora teilnahm. Besonders die Ergotherapie hat ihr geholfen. Es gab die Wahl zwischen stricken, mit Ton oder Speckstein zu arbeiten. Nora entschied sich für letzteres und “folgte planlos ihren inneren Impulsen”. Nach langem Feilen, Bohren und Sägen gelang es ihr Parallelen zu ihrem Leben zu ziehen. Hässlich, bedeutungslos und das Verlangen ihn zu zerstören betrachtete sie ihren Speckstein genauer. Eine kleine leichte Maserung und das weiche Gefühl, wenn er in der Hand liegt. “Er hat mir gezeigt, wie oberflächlich ich mir gegenüber doch bin und er erinnert mich daran, dass Einzigartigkeit oftmals im Detail liegt.”, beschreibt sie auf ihrem Blog. Es war für der erste Schritt in die richtige Richtung, sich selbst zu akzeptieren und wert zuschätzen.


Auf die Frage, ob Nora noch einmal einen Besuch in der TK wahrnehmen würde, antwortet sie bestimmt: “Auf jeden Fall!”. Sie erklärt, dass eine TK eine super Alternative sei, wenn die wöchentlichen Termine beim Therapeuten nicht ausreichen, man aber trotzdem noch für sich selbst sorgen kann. “Es ist eigentlich ein ziemlich gutes Mittelding zwischen einer stationären und einer ambulanten Therapie.”, fasst Nora zusammen. “Man kann Kraft tanken und sich selbst stabilisieren ohne von seinem alltäglichen Umfeld komplett abgeschnitten zu sein.” Letztendlich hat Nora während ihrer Aufenthalte sehr viel über sich selbst und den Umgang mit ihren Gefühlen in der Tagesklinik gelernt. “Ich kann aus eigener Erfahrung anderen nur empfehlen, es auszuprobieren.”








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