Narzisstische Persönlichkeitsstörung



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Egoismus allein reicht nicht aus: Was genau eine Narzisstische Persönlichkeitsstörung ist und wie sich diese auf das Leben von Betroffenen auswirkt, erfahrt ihr hier.


Ein Beispiel:

Tina sieht sich selbst als etwas ganz Besonderes. Schließlich ist sie gut aussehend, intelligent und hat in ihrem Leben – beruflich und privat - schon ziemlich viel erreicht. Grundsätzlich ist diese Einstellung gar nicht verkehrt und wir würden wahrscheinlich zunächst auf ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein schließen. Hinzu kommt allerdings noch, dass Tina sich bereits als Kind als „besonders“ gesehen und sich damit immer von anderen abgegrenzt hat. Sie sieht sich selbst als außerordentlich beliebt und von ihren Mitmenschen bewundert. Dabei wird sie von anderen eher als arrogant und egoistisch beschrieben, denn auch in den zwischenmenschlichen Beziehungen sucht sie meistens ihren eigenen Vorteil und kann nur schwer auf ihre Gegenüber eingehen und Empathie zeigen. Kritik kann sie nicht annehmen, denn sie ist davon überzeugt, dass andere sowieso nur neidisch auf sie seien. Tinas Beispiel weist einige der sehr facettenreichen narzisstischen Persönlichkeitsmerkmale auf.


Was genau ist eine Narzisstische Persönlichkeitsstörung?


Grundsätzlich beschreibt man Persönlichkeitsstörungen als extreme Ausprägungen eines Persönlichkeitsstils. Hierbei werden die von betroffenen Personen gezeigten Muster als unflexibel, starr und unzweckmäßig wahrgenommen. Eine Persönlichkeitsstörung liegt vor, wenn diese Muster langanhaltend stabil bleiben und die Lebensqualität der Betroffenen dadurch stark beeinträchtigt wird.


Während „Narzissten“ eher durch ihre egoistische und selbstsüchtige Art auffallen und auf andere schnell arrogant wirken, handelt es sich bei einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung um eine sehr tiefgreifende Störung der Persönlichkeit. Menschen, die unter einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung leiden, mangelt es an Selbstwertgefühl. Trotz dessen zeigen sich die Betroffenen nach außen als sehr selbstbewusst, eitel und streben nach Bewunderung. So legen sie oft sehr viel Wert auf ihren Status und präsentieren ihre beruflichen Leistungen nach außen. Dadurch entsteht ein stark verzerrtes Selbstbild, das dazu führt, dass Betroffene häufig zur Selbstüberschätzung neigen. Auch Kritik nehmen sie dadurch nur schwer an und manipulieren und lügen häufig um die Anerkennung anderer zu erlangen und eigene Ziele durchzusetzen. Außerdem fällt es ihnen schwer Empathie und Mitgefühl anderen gegenüber zu zeigen.


Was sind die Ursachen?


Auch hier gibt es unterschiedliche Ansätze, die erklären sollen, wie diese Persönlichkeitsstörung entsteht. Die psychoanalytische Theorie geht beispielsweise davon aus, dass Betroffene in ihrer Kindheit von ihren Eltern entweder zu wenig Liebe und Anerkennung erhielten oder aber übermäßig für ihre Leistungen und Talente bewundert wurden. Die kognitive Verhaltenstherapie geht dagegen davon aus, dass Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung in den ersten Lebensjahren zu positiv behandelt wurden. Zum Beispiel wurden sie von ihren Eltern vergöttert oder idealisiert, wodurch das eigene Selbstbild stark geprägt wurde.


Grundsätzlich kann aber davon ausgegangen werden, dass eine narzisstische Persönlichkeitsstörung durch das Zusammenspiel unterschiedlicher umweltbezogener, biologischer und psychischer Faktoren entsteht.  


Was sind die typischen Symptome?


Hier schauen wir uns das oben genannte Beispiel noch einmal genauer an: Tina sieht sich selbst als etwas ganz Besonderes. Sie hält sich für talentierter im Vergleich zu anderen und fühlt sich anderen damit überlegen. Sie muss, ihrer Meinung nach, dafür keine entsprechende Leistung erbringen. Die Überlegenheit, die Tina spürt, wird von anderen als Arroganz und starkes Machtstreben wahrgenommen. Dadurch erfährt Tina auch viel Bewunderung von ihren Mitmenschen. Diese benötigt sie für ihr eigenes Selbstwertgefühl und wünscht sich, dass ihr Umfeld in besonderer Weise auf ihre Bedürfnisse und Erwartungen eingeht. Tina fällt es schwer, Empathie ihren Mitmenschen gegenüber zu zeigen. Sie kann schwer auf andere eingehen und nutzt diese eher, um ihre eigenen Ziele zu erreichen.


Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?


Am häufigsten werden narzisstische Persönlichkeitsstörungen mithilfe von Psychotherapie behandelt. Meistens wird diese Störung allerdings als „Begleiterscheinung“ behandelt und ist nicht der primäre Auslöser dafür, weshalb Betroffene sich für eine Therapie entscheiden.

Die Tatsache, dass sich viele Betroffene dieser Störung nicht bewusst sind und diese deshalb auch nicht behandeln möchten, macht es so schwer, hier Lösungsansätze zu erarbeiten. Dazu kommt, dass Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung sich selbst ja als etwas Besonderes sehen und dieses Bild nur schwer in Frage stellen. Sie haben sich damit meist bereits eine Schutzstrategie angeeignet, die sie auch in schweren Zeiten und Krisen schützen kann und deshalb nicht komplett in Frage gestellt werden sollte. Daher geht es grundsätzlich zunächst darum, eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Patient und Therapeut zu schaffen.


Auch die Kognitive Verhaltenstherapie gilt als hilfreiche Therapiemöglichkeit. Hier ist der Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung die Grundlage für eine gute Zusammenarbeit. Der Unterschied zur Psychotherapie liegt darin, dass an konkreten Erfahrungen bzw. Problemen und Denkmustern gearbeitet wird, anstatt bestimmte Eigenschaften des Patienten infrage zu stellen.


Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Narzissmus immer auch eine Gratwanderung bedeutet. Einige narzisstische Persönlichkeitsmerkmale gehen durchaus mit einer gewissen Bewunderung von den Mitmenschen einher. Eine starker Ausprägung dieser Merkmale kann jedoch sehr belastend für Betroffene sein und zu vielen Konflikten mit der Umwelt führen. In diesen Fällen sollten Betroffene darüber nachdenken, sich Unterstützung, z.B. in Form einer Therapie, zu suchen.







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