Aggressions-Bewältigung



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Es gibt Momente, in denen man einfach nur wütend ist und die Kontrolle über die eigenen Gefühle zu verlieren scheint. Zu erkennen, was dabei in einem vorgeht, und zu lernen, damit umzugehen, sind wichtige Bestandteile der Aggressions-Bewältigung.


Es gibt drei Typen von Verhalten:

Typ A Verhalten wird eingesetzt, um ein Ziel zu erreichen.

Typ B Verhalten sind Ausdruck von Gefühlen.

Typ C Hier verliert man völlig die Beherrschung.

Natürlich gibt es auch Misch- und Übergangsformen.


Es ist wichtig, dass jede dieser verschiedenen Verhaltensweisen einen unterschiedlichen Umgang erfordert. Bei Typ A Verhalten muss der sogenannte Verstärker entzogen werden, sodass kein Erfolgserlebnis entsteht und das Verhalten in Zukunft nicht mehr auftritt. Bei Typ B Verhalten ist es wichtig, sich selbst und auch den/die Andere/n zu beruhigen, zu deeskalieren. Wenn tatsächlich Typ C Verhalten auftritt, ist professionelles Eingreifen notwendig (beispielsweise mittels Medikamenten oder Isolation).


“Schrei mich nicht so an!”


Der sogenannte “Ausflipp-Punkt” (AFP) ist besonders wichtig, um mit seinen Gefühlen umzugehen. Das ist der Moment, wo man die Beherrschung über sich verliert. Das Denken ist ausgeschaltet. Die Interaktion zwischen den Streitenden beschränkt sich auf gegenseitiges Anschreien, ähnlich, wie Hunde, die sich anbellen.

Den Punkt erreicht man oft schneller als einem bewusst ist. Er kündigt sich aber in der Regel durch körperliche Symptome wie Anspannung, Zittern, Herzklopfen u.ä. an. Wenn man diese bei sich selber erkennt, erhöht sich die Chance, rechtzeitig gegensteuern zu können.

Tipp: Streit auf Video aufnehmen und hinterher analysieren!


Es gibt viele Möglichkeiten, um der Erregung entgegenwirken zu können. Sehr viele Chancen bietet die „Achtsame Haltung“: Man gewöhnt sich daran, sich selbst aus einer „Metahaltung“ heraus zu beobachten: Ohne Wertung, objektiv, ohne die Gefühle zu unterdrücken, sondern sich einfach nur wahrzunehmen: „Ach so - ich zeige Anzeichen von Erregung!“.  Sich klar zu machen, dass diese Gefühle kein dauerhafter Zustand sind. “Morgen kann es schon wieder ganz anders aussehen!”, beschreibt Dr. Dutschmann. Genau dann kann man selbst entscheiden, wie man mit dem Problem umgehen möchte. Trainieren kann man eine achtsame Haltung z.B. durch Meditation.


Was passiert dabei in meinem Gehirn?


Die Vorgänge im Gehirn sind natürlich sehr komplex. Wir versuchen es an dieser Stelle sehr vereinfacht für euch darzustellen.

Man kann verschieden auf Umweltreize reagieren:

Bei Erregung wird die Amygdala, ein kleiner Kern mittig im Gehirn, aktiv. Es gibt einen “oberen Weg”, der langsam und überlegt durch den frontalen Kortex verläuft. Der “untere Weg” hingegen ist schnell, heftig und unüberlegt. Befindet man sich im “unteren Weg” kommt es zum Hasso-Effekt, wodurch sich die Betroffenen “wie Hunde und voller Hass” anschreien. In einer geladenen Situation kann es hilfreich sein sich Gedanken darüber zu machen: “Auf welchem Weg denke ich gerade?”.


Wenn jemand besonders häufig ausrastet, kann es ratsam sein sich bei einem Arzt auf psychische Erkrankungen (beispielsweise eine Borderline Persönlichkeitsstörung) überprüfen zu lassen. Manche Menschen haben aber auch Probleme mit der Schilddrüse, da die Hormone eine große Rolle spielen. Sind solche Einflüsse erst einmal erkannt (oder ausgeschlossen), können sie auch dementsprechend behandelt werden und sich positiv auf das aggressive Verhalten auswirken.


Was kann ich dagegen tun?


Wenn wir einen Korb voller Kirschen haben und eine Kakerlake plötzlich über das Obst läuft, entwickeln die meisten Menschen ein Gefühl der Abneigung oder des Ekels. Obwohl die Kirsche noch vollkommen in Ordnung ist, verdirbt die Kakerlake gleich alle auf einmal. Dieser Kakerlaken-Effekt lässt sich auch auf Streitsituationen übertragen: “Ich bin zwar gerade wütend, aber ich muss meinen Freund nicht sofort verlassen.”, ist ein Beispiel mit diesem Effekt umzugehen. Der Psychologe weiß:  “Wenn man sich diesen Vorgang in der akuten Situation bewusst macht, kann dies zur Entspannung beitragen.”


Die sogenannte Anker-Technik funktioniert so: Setz dich in Ruhe hin und denke an eine besonders schöne Erinnerung zurück, fühle dich in diese Situation ein. Sobald du dich richtig gut fühlst, umgreife leicht dein Handgelenk. Wiederhole diese Übung so häufig, bis du schon beim Berühren deines Handgelenks innerlich eine wohlige Wärme verspürst. Das führt zu einer Konditionierung: Handgelenk umgreifen → gutes Gefühl wird erweckt. Sobald eine kritische Situation auftritt, kann das Umgreifen des Handgelenks vor dem AFP zur Beruhigung (Deeskalation) beitragen. “Ein gutes Gefühl verträgt sich nicht mit aggressiver Spannung und Wut.”, erklärt der Psychologe.



Über Herrn Dr. Dutschmann:

Der 73-jährige studierte Psychologie und war lange als Schulpsychologe tätig. Nach einiger Zeit arbeitete  in einer Psychiatrie und hat u.a. das Konzept der Kreativ-Therapie zusammen mit der Hogeschool in Nijmegen (NL)  weiterentwickelt. Dr. Dutschmann entwickelte das Aggressions-Bewältigungs-Programm (ABPro) und verfasste u.a. mehrere Bücher zu dem Thema. Dieses Programm richtet sich vor allem an Fachleute, die in ihrer Tätigkeit Kontakt zu aggressiven Kindern und Jugendlichen haben. Die darin enthaltenen Techniken lassen sich aber auch für Erwachsene anwenden.






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