Interviewreihe2



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Lieber Briefe schreiben und im Dialog mit anderen sein, anstatt Monologe mit sich selbst zu führen - das ist einer/m unserer Autoren wichtig. Das Interview:


Hast du jemals in deinem Leben Tagebuch geschrieben?

Als kleines Kind mit Acht oder so um den Dreh. Da stand aber nur etwas drin wie: "Heute habe ich mit meiner besten Freundin auf dem Spielplatz gespielt". Nach zwei Wochen habe ich es wieder aufgegeben, weil ich in dem Alter nichts Spannendes zu berichten hatte. Wenn ich heute das Bedürfnis habe, ein Erlebnis oder Gefühle aufzuschreiben, schreibe ich tatsächlich noch Briefe, die ich dann sogar auch absende. Danach geht es mir meistens schon wesentlich besser


Das heißt, du schreibst nichts für dich ganz alleine auf, sondern teilst jemandem konkret deine Gefühle mit?

Für mich nicht alleine, nein. Ich bin eher ein Mensch, der gerne im Dialog ist, statt einen Monolog mit sich alleine zu führen


Wem schickst du diese Briefe?

Das passiert sehr selten - bis jetzt habe ich dies nur getan, bei zwei Ex- Freunden, um die Trennung für mich selbst besser zu verarbeiten. Ich wollte das demjenigen nicht ins Gesicht sagen, weil ich selbst nicht "schwach" aussehen wollte. Ich bin mir sicher, dann hätte ich angefangen zu weinen, aber danach fühlte ich mich irgendwie befreit. Das war etwas, was mir auf den Herzen lag und nachdem ich es aufgeschrieben hatte, fiel der Stein herunter.


Dann hilft dir schreiben?

Ich bin mir sicher, dass alleine schon das Aufschreiben eine große Hilfe dabei ist, etwas zu verarbeiten. Ob das dann später an jemanden weiter gereicht wird oder nicht, bleibt dann ja auch jedem selbst überlassen.


Auch, wenn du nur kurzzeitig Tagebuch geschrieben hast - wie sah das Tagebuch aus?

Mein Tagebuch war ein Notizblock in DINA5. Ich weiß nicht mehr genau, welche Farbe, aber auf jeden Fall sehr schlicht gehalten.


Hast du den von deinem Taschengeld gekauft oder einen Block von der Schule dafür benutzt?

Ich meine, den hatten wir noch zu Hause. Meine Mutter hatte Einkaufslisten oder ähnliches drauf geschrieben. Nachdem ich gefragt habe, durfte ich ihn haben.


Du bist gerne im Dialog - kannst du sagen, was dir einen Dialog gibt?

Ständig ist ein Dialog Unterhaltung, ein Zeitvertreib. Aber es ist ganz klar auch eine stetige Rückmeldung von dem anderen. Gespräche helfen dabei, sich kennenzulernen, zu loben und sich und den anderen vielleicht auch sogar ein bisschen besser zu machen, indem man sich gegenseitig darauf hinweist, was gut gelaufen ist und in welcher Situation wir uns nicht ganz richtig verhalten haben. Sogar im Kindergarten bringen uns Dialoge dazu, unsere Meinung zu vertreten, aber wir lernen auch, die des anderen zu akzeptieren.


Würdest du sagen, dass es gut ist, Probleme, die einen beschäftigen, bei anderen Menschen anzusprechen?

Natürlich. Dann ist man nicht mehr mit seinen Problemen alleine, bekommt eine starke Schulter zum Anlehnen und wenn es möglich ist, sind vielleicht Ratschläge vorhanden, die einem aus dem Problem helfen können. Jemand anderes sieht mit ganz anderen Augen auf das Problem und sieht dann vielleicht etwas, was einem selbst noch nicht aufgefallen ist. Manchmal hilft es schon, wenn jemand einem bestätigt, versteht, an einen glaubt, dass man das Problem überstehen kann.


Um auf dein Tagebuch zurückzukommen: Hast du das heute noch?

Nein, das Tagebuch hatte auch keine Bedeutung für mich.



Unter der Rubrik "Mein persönliches Tagebuch - die Interviewreihe von und über Tagebuchautoren" sprechen unsere Autoren über ihre Erfahrungen mit dem Tagebuchschreiben. Teil 2






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