Warum Kritik selten etwas bringt



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Wenn uns jemand verärgert, einen Fehler macht oder für eine bestimmte Situation (mit)verantwortlich ist, tendieren wir schnell dazu diese Person auf ihren Fehler hinzuweisen und uns dabei meist nicht in Zurückhaltung zu üben. Wir kritisieren andere Menschen für ihre (vermeintlichen) Fehler ohne viel darüber nachzudenken, wie diese Kritik eigentlich wirkt.


So leicht es uns fällt über andere Menschen zu urteilen und andere Menschen für ihre Fehler und Versäumnisse zu kritisieren, umso schwerer fällt es uns doch selbst Kritik zu akzeptieren. Vermutlich haben sich alle von uns schon in beiden Rollen wieder gefunden und dabei unsere eigenen Erfahrungen gemacht. Doch was lernen wir daraus eigentlich?


Hilfe, ich werde kritisiert!


Sich mit den eigenen Fehler auseinander zu setzen und sie zu akzeptieren gehört zu einer der schwersten emotionalen Herausforderungen, denen sich ein Mensch stellen kann. Wird man daher nun von außen kritisiert und damit auf die eigene Fehlbarkeit unvermeidlich hingewiesen löst das in vielen Menschen instinktiv das Bedürfnis aus sich dieser Kritik zu erwehren. Der eigene Stolz verbietet es einem eine Schuld ohne weiteres einzugestehen - völlig unabhängig davon ob man in der gegebenen Situation überhaupt eine Schuld trägt oder nicht. Die rationale Frage der “Schuld” ist der emotionalen Reaktion zunächst einmal untergeordnet.


Der erste Impuls veranlasst uns daher zur Rechtfertigung, einer Relativierung oder einer Ablehnung. Wer selbst schon in der Situation steckte kritisiert worden zu sein (oder sich kritisiert zu fühlen) erinnert sich vielleicht daran wie die eigenen Gefühle in dieser Situation waren und wie emotional dementsprechend auch die Reaktion ausfiel.


Ich bin aber im Recht!

Sind wir nun in der anderen Situation - also in der in der wir andere kritisieren - ist uns diese eigene Erfahrung jedoch oft nicht mehr präsent. Wir denken gar nicht darüber nach wie das Gegenüber reagiert und welche Reaktion man sich eigentlich von seinem Gegenüber erhofft. In den meisten Fällen wird man nämlich nur eines zur Antwort bekommen: eine Rechtfertigung, Ablehnung und im schlimmsten Fall eine Kritik an der eigenen Haltung.


Bei einem reflektierten Blick auf das eigene Verhalten in so einer Situation erkennt man, in welche Situation man sein Gegenüber durch das Hervorbringen einer harschen Kritik bringt und wie berechenbar und kontraproduktiv die zu erwartende Reaktion wohl ausfallen wird.


Oft lohnt es sich den eigenen Impuls seiner Wut Luft zu machen zunächst einmal zu unterdrücken und noch einmal darüber nachzudenken wie das Gegenüber wohl reagiert.


Wer wirklich etwas erreichen will …


… der sollte sich zunächst überlegen welche Reaktion er eigentlich von seinem Gegenüber erwartet. Möchte man erreichen, dass sein Gegenüber sich entschuldigt, die eigene Situation versteht oder das (vermeintliche) (Fehl)verhalten künftig nicht mehr wiederholt sollte man sich anderer Mittel und Kommunikationsformen bedienen.


Indem wir uns Mühe in der Wahl unserer Worte geben, beispielsweise versuchen das Gegenüber  nicht vor den Kopf zu stoßen und einen respektvollen Umgang zu pflegen. Grundsätzlich sollte eine wohlwollende Absicht hinter dem Feedback stehen, welches man einer anderen Person gibt und die Grundregeln des höflichen Umgangs sollten stets gewahrt werden.


Wenn es einem gelingt Empathie für sein Gegenüber aufzubringen und sich in die Lage des anderen hineinzuversetzen kann eine aufrichtige Rückmeldung völlig ohne Schuldzuweisung zum gewünschten Ziel führen. Ein gutes Verhältnis von Lob und Kritik ist zudem sehr wichtig.


Kritik muss nicht immer negativ sein


Hilfreich ist es außerdem “Ich”-Botschaften zu senden und auch die eigene Fehlbarkeit nicht auszuschließen. Beschreibt man die eigene Wahrnehmung und beansprucht man die “Wahrheit” bzw. “Unschuld” nicht für sich, steigen die Chancen auf einen konstruktiven gemeinsamen Austausch.


Grundsätzlich gilt, dass das Bestärken von positivem Verhalten häufig um ein Vielfaches besser funktioniert als das Bestrafen von Fehlern. Wer langfristig etwas verändern will sollte daher vielleicht darüber nachdenken eher die positiven Dinge anzusprechen - abhängig von der Situation entfällt dann vielleicht sogar schon bald der Grund für die eigentliche Kritik.







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