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Letzte Woche haben wir einige Fragen rund um eine Depression beantwortet. Einige Aspekte sind jedoch noch unbeantwortet: Warum werden Menschen depressiv, wie kann man eine Depression behandeln und wie sollten sich Angehörige verhalten? Diese Fragen beantworten wir in Teil 2.


Warum werden Menschen überhaupt depressiv?


Es gibt nicht nur eine einzige Ursache für eine Depression. Vielmehr spielen mehrere Faktoren eine Rolle (“multifaktorielle Erkrankung”), darunter die Gene und Einflüsse aus der Umwelt.

Depressive Menschen besitzen eine geringere Toleranz gegenüber seelischen oder körperlichen Belastungen als gesunde Menschen. Sie sind also verletzlicher. Die Verletzlichkeit (Vulnerabilität) spielt bei dem Ausbruch und der Aufrechterhaltung einer Depression eine große Rolle. Es ist überhaupt nicht schlimm, verletzlicher zu sein als andere. Du musst nur einen Ausgleich finden, wenn dich viel belastet. Denn wenn Belastungen auftreten, wie beispielsweise Todesfälle, Trennungen, Konflikte und Erkrankungen, können diese Vorfälle eine Depression auslösen oder eine bereits bestehende Depression aufrechterhalten. Die genannten Belastungen sind also sogenannte Risikofaktoren

Untersuchen deuten darauf hin, dass bei Betroffenen die Hormone Serotonin, Dopamin und Noradrenalin weniger aktiv sind als bei gesunden Menschen. Diese Hormone sind auch bekannt als Glückshormone. Wenn diese Hormone nun weniger ausgeschüttet werden, entstehen depressive Symptome. Dagegen helfen Antidepressiva. Die sorgen nämlich dafür, dass die Anzahl der Hormone wieder erhöht wird! (Quelle und mehr Infos hier). 


Wenn man einmal depressiv war, ist man dann für immer depressiv?


Jein. Es gibt keine typische Depression. Bei jedem Menschen ist eine Depression anders. In der Erscheinung, in der Therapie, in den Ursachen, in der Intensität und Länge. Eine Depression wird auch depressive Episode genannt - und wie der Name schon sagt, ist so eine Episode normalerweise vorübergehend. Eine Episode kann Wochen oder Monate dauern. Wenn sie nicht behandelt wird, dann auch Jahre. Deshalb ist es so wichtig, eine Depression frühzeitig zu behandeln. Das Problem bei depressiven Episoden ist aber, dass sie immer wieder auftreten können. Wie man einen Rückfall verhindern kann, erfährst du weiter unten!



Wie kann man Depressionen behandeln?


Eine Depression hat drei Behandlungsebenen, die Gesprächstherapie, die biologische Therapie und zusätzlich helfende Maßnahmen.

Eine Gesprächstherapie steht im Vordergrund der Behandlung. Der Patient wird aufklärend, stützend und beratend begleitet. Es gibt spezifische Formen von Gesprächstherapie mit unterschiedlichen Behandlungsschwerpunkten. Darunter zählen zum Beispiel die kognitive Verhaltenstherapie, die interpersonelle Psychotherapie und die Psychoanalyse. Welche Therapie für dich die richtige ist, solltest du mit deinem Therapeuten besprechen.


Die biologische Therapie umfasst beispielsweise die Einnahme antidepressiver Medikamente, Lichttherapie oder Schlafentzug. Diese Therapieformen sind wissenschaftlich anerkannt.


Bei den zusätzlich helfenden Maßnahmen unterscheidet man Begleittherapien wie sportliche Betätigung und Physiotherapie. Unter ersterer Therapieform fallen zum Beispiel Musik-, Bewegungs- und Tanztherapie. Die Physiotherapie hat das Ziel, die Vorstellung, die eine Person über ihren Körper hat, positiv zu beeinflussen und zu stärken. Dabei kann man den Partner, Angehörige und Freunde mit einbinden.



Muss man eine Depression mit Medikamenten behandeln?


Nein! Eine medikamentöse Therapie kann unterstützend zu der Gesprächstherapie und anderen zusätzlich helfenden Maßnahmen wirken. Jedoch sollte man mit Medikamenten keine Gesprächstherapie ersetzen. Die Medikamente können beispielsweise deine Stimmung aufhellen und du fühlst dich besser. Deine Konzentration und Gedächtnisleistung steigen wieder an und dadurch kannst du in der Therapie gut mitarbeiten!

Wenn dein Arzt dir Medikamente verschreibt und du dir unsicher bist, ob du das wirklich willst, dann sprich das offen an! Niemand kann dich dazu zwingen, Medikamente zu nehmen.




Wie kann man einen Rückfall vorbeugen?


Das Problem bei depressiven Episoden ist, dass sie immer wieder auftreten können. Deshalb sollte man sich einen Krisen- und Notfallplan anlegen, wenn man schon einmal depressiv war. Man muss sich nicht jedes Mal aufs Neue deswegen in Therapie begeben, aber sollte im Notfall (mit den Plänen) gewappnet sein.


In Untersuchungen konnte durch bestimmte Maßnahmen das Rückfallrisiko gesenkt werden. Für ehemals Betroffene hat sich beispielsweise bewährt, einen geordneten Lebensrhythmus einzuhalten. Eine Routine und die Planung des Tages sind wichtig. Wenn man den ganzen Tag beispielsweise nichts zu tun hat, kann es sein, dass die Gedanken kreisen und man sich schlecht fühlt. Die Stimmungslage kann stabilisiert werden, wenn man zur gleichen Zeit aufsteht und ins Bett geht und diesen Rhythmus einhält! Das klappt natürlich nicht immer, weil man vielleicht einmal länger wach bleiben möchte oder an einem Tag ausschlafen will. Das ist aber nicht weiter schlimm, solange du einen ungefähren Rhythmus einhältst. Ausnahmen kann es immer geben und das ist kein Problem.


Außerdem können zur Vorbeugung (“Prophylaxe”) einer erneuten depressiven Episode auch Medikamente eingesetzt werden. Genauso kann man beispielsweise auch eine Psychotherapie zur Prophylaxe machen. Beide Möglichkeiten solltest du mit deinem Therapeuten besprechen, falls du betroffen bist!



Wie sollten sich Angehörige und Freunde verhalten?


Angehörige und Freunde sollten die depressive Person begleiten. Die Therapie sollte jedoch ein ausgebildeter Therapeut, Psychologe oder Psychiater übernehmen. Die Begleitung durch Familie und Freunde erfordert Einfühlung, Geduld, Zuwendung und Respekt. Manchmal ist es schwer nachvollziehbar, wie Depressive sich verhalten und was sie denken. Das muss man als Angehöriger aushalten - man darf die depressive Person nicht fallen lassen - ein stabiles Umfeld ist für Depressive nämlich sehr wichtig.


Depressive sind kraft- und mutlos. Es bringt nichts, wenn man versucht, sie zu Aktivitäten zu zwingen oder versucht, sie umzustimmen. Auch solche Sätze wie “Reiß dich doch mal zusammen” sind unangebracht, denn ein depressiver Mensch kann sich nicht zusammenreißen und kriegt deswegen Schuldgefühle. Daran ist die Erkrankung Schuld - das darf nicht vergessen werden.


Eine Depression lässt sich nicht mit vermeintlich überzeugenden Argumenten bekämpfen. Aber Ablenkung hilft. Besonders gut eignen sich körperliche Aktivitäten, die einen aus der Routine ausbrechen lassen und gezielte Bewegungskoordination erfordern.

Äußert ein depressiver Mensch Suizidgedanken, so sollte man diese auf jeden Fall an den zuständigen Therapeuten weitergeleitet werden! Wenn die Suizidgedanken so akut sind, dass der Betroffene angibt, sich gleich das Leben zu nehmen, muss sofort der Notruf gewählt werden!

“Der Suizidgefährdung ist höchste Aufmerksamkeit zu schenken, denn die allererste Priorität besteht darin, am Leben zu bleiben. Die Depression wird nämlich mit größter Wahrscheinlichkeit abheilen, selbst wenn der Depressive dies nicht glaubt.” (Dinner, P. Depressionen. 100 Fragen. 100 Antworten”.



Welche “Funktion” kann eine Depression haben?


Wenn ein Mensch zu viel Stress hat und diesem nicht mehr gewachsen ist, dann ist der überfordert. Diese Überforderung äußert sich beispielsweise in Anzeichen wie Gereiztheit, Schlafstörungen, Verspannungen der Rückenmuskulatur, Magen-Darm-Beschwerden und Kopfschmerzen. Dazu können einige Anzeichen einer Depression kommen, z.B. Gefühls- und Antriebsstörungen. Erste Anzeichen werden oft übersehen, wenn die Symptome aber immer schlimmer werden, dann merkt man, dass es dem betroffenen Menschen schlecht geht. Die geschilderten depressiven Symptome können Überforderungssignale sein. Die Depression sagt uns also, dass Körper und Geist überfordert sind und sendet uns deswegen Signale (Signalfunktion).


Depressive kommen morgens schlecht aus dem Bett, sind kraftlos und haben kaum noch Interessen. Einige Symptome zwingen den Betroffenen zu einem Rückzug, zu einer Pause oder sogar zu einem Ausstieg aus einer Lebensform, die nicht gut für ihn ist. In diesem Zusammenhang übt die Depression auch eine Schutzfunktion aus: Sie schützt den Betroffenen vor weiterem Stress.


Die Bezeichnung einer Depression als “Funktion” soll keinesfalls die Erkrankung verherrlichen! Körper und Geist wollen mit einer Depression zeigen, dass sie überfordert sind und entsprechend gehandelt werden muss, beispielsweise mit einer Änderung des Lebensstils oder einer Therapie.


Die Antworten in unserem FAQ sind keine Grundlage zur Beurteilung oder Diagnostik einer Depression! Wir haben diese Informationen für dich zusammengestellt, um einen groben Überblick über die psychische Erkrankung, “Depression”, zu geben. Wenn du glaubst, depressiv zu sein, suche deinen Hausarzt auf, um das abzuklären!



Teil 1 findest du unter diesem Link:  https://www.sorgen-tagebuch.de/cover/depressions-faq-fragen-und-antworten/



Die Informationen sind zusätzlich der Verlinkungen den folgenden Quellen entnommen:

Dinner, P. Depression. 100 Fragen 100 Antworten. Hintergründe Erscheinung Therapie.
Hell, D. Depression. Was stimmt? Die wichtigsten Antworten.
Smolka, J. Wird Depression vererbt? Epigenetische Vererbung am Beispiel des Kandidatengens FKBP5.
Lange-Ernst, M. Depressionen und Angsterkrankungen wirksam behandeln.

https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/erkrankungen/depressionen/was-ist-eine-depression/


Geschrieben von JS






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